Wie kommt es zu Fehlstellungen der Zähne und der Kiefer?

Manche Fehlstellungen werden vererbt und manche auch erworben. Das gesunde Wachstum der Zähne und der Kiefer kann durch innere oder äußere Einflüsse gestört werden. Es wirken die Zunge, die Lippen und die Wangen auf die Stellung der Zähne und auf die Form der Kiefer. Es gibt Unterschiede zwischen Kindern, die gestillt werden und denen, die mit der Flasche groß werden: die einen haben als Baby an der Mutterbrust die optimale Nahrung unter besten Bedingungen erhalten, die anderen Instantmilch und Fertigbrei durch unterschiedlich große Löcher im Sauger aus der Flasche gezogen. Die einen Lutschen an ihrem Daumen oder Finger, andere beißen auf die Lippen oder kauen auf irgendwelchen Fremdkörpern (z.B. Stiften). Hierdurch können die Kiefer so stark verformt und die Stellung der Zähne derart beeinträchtigt werden, so daß die Veränderungen nicht mehr ohne fremde Hilfe zum Gesunden ausheilen können.

Um das sechste Lebensjahr wird die Reihe der Milchzähne in jeder Kieferhälfte um jeweils einen bleibenden Backenzahn verlängert. Der Sechs-Jahr-Molar ist wohl der wichtigste Zahn von allen, der mit seiner Form und Stellung die gesamte weitere Entwicklung bestimmen kann. Dieser Zahn wurde sogar mal der „Schlüssel der Zahnreihe“ genannt. Später wechseln die Schneidezähne, wobei die bleibenden breiter als die Milchzähne sind, sie brauchen mehr Platz. Dann, wenn die vier Schneidezähne im oberen und unteren Zahnbogen nachgewachsen sind, werden nach einer Ruhepause die Milchbackenzähne und die unteren Milcheckzähne ausfallen und die bleibenden Prämolaren sowie die bleibenden unteren Eckzähne nachwachsen. Die neuen Backenzähne brauchen mehr als 2 cm Platz. Sie kommen in einer bestimmten Abfolge. Als letzter Milchzahn wird der obere Eckzahn ausfallen. Hinter den ersten großen Backenzähnen gibt es später noch Zuwachs durch die „zweiten Molaren“ und schließlich bei vielen Personen auch noch durch die „dritten Molaren“, die Weisheitszähne. Im Röntgenbild sieht man deren Zahnanlagen frühestens ab dem achten bis neunten Lebensjahr.

Die Entwicklung bis zum vollständigen Gebiß kann durch sehr viele äußere und innnere Faktoren gestört werden. Als die häufigsten Probleme kommen Lutschangewohnheiten (Schnuller und Daumen) als auch der vorzeitige Milchzahnverlust infolge kariöser Zerstörung (Milchzähne haben eine wichtige Platzhalterfunktion) in Betracht.

Spezielle Fragen und Probleme sollten in einem Beratungsgespräch geklärt werden.

Selbst wenn Milchzähne durch Karies so stark zerstört worden sind, dass sie entfernt werden müssen, können Platzhalterspangen für eine sichere Weiterentwicklung des Gebisses sorgen. Auch gegen Lutschunarten gibt es gute Therapiemöglichkeiten.