Fissurenversiegelung und Glattflächenversiegelung: Der wirksame Schutz gegen Karies

Foto: Jo Jo, Unsplash

Fissurenversiegelung und Glattflächenversiegelung: Der wirksame Schutz gegen Karies

28.01.2022

Jeder fürchtet sich davor: ein Loch im Zahn. Aber man kann wirksam gegen Karies vorbeugen. Neben der optimalen Mundhygiene kann man mit einer Fissurenversiegelung der Backenzähne oder einer Versiegelung der Zahnoberfläche während einer kieferorthopädischen Behandlung zusätzlichen Schutz erreichen. Die Versiegelung bildet eine wirksame Barriere gegen Bakterien. Warum unsere Zähne Fissuren haben, wie man sie vor Karies schützt und warum eine Versiegelung vor allem für Kinder und Jugendliche ratsam ist. Eine Übersicht.

Was sind Fissuren?

Im hinteren Anteil des Kiefers befinden sich die beiden großen Backenzähne (Molaren) und die kleinen Backenzähne (Prämolaren). Ihre Kauflächen sind nicht eben. Vielmehr wechseln sich dort höckerartige Erhebungen und talförmige Furchen ab. Die Vertiefungen werden unterteilt in „Fissuren“ (spaltartig), und „Grübchen“ (rundlich). Insgesamt sorgt die unebene Kaufläche dafür, dass die Nahrung im Zusammenspiel mit den Zähnen im Gegenkiefer gut zerkleinert werden kann. Dieses Relief ist also ein wichtiges Werkzeug für eine optimale Verdauung. Gleichzeitig ist es besonders anfällig für Verunreinigungen, weil sich in den Zahntiefen leicht Essensreste festsetzen können.

Wie entstehen Fissuren?

Zähnen entwickeln sich von bestimmten Punkten aus, man spricht von “Mineralisationszentren”. Sie sind in etwa dort, wo später die Höcker und hohen Zahnränder (Randleisten) verlaufen. Zahnhartgewebe bildet sich nach und nach um diese Punkte und wächst stetig. Irgendwann treffen diese Mineralisationsfronten aufeinander und stehen sich im Weg. Dann stauchen sie sich gegenseitig, vergleichbar mit der alpinen Plattentektonik. Während auf der Erde Berge und Täler entstehen, sind es im Mund Zahnhöcker und Fissuren bzw. Grübchen.

Warum sind Fissuren anfällig für Karies?

Fissuren und Grübchen sind oft so tief gelegen, dass eine Zahnbürste über sie hinweg putzt, bzw. die Fissuren selbst so schmal, dass dicke Borsten nicht tief genug zur Reinigung eindringen können. Speisereste werden nicht entfernt und bieten Bakterien einen idealen Nährboden, um sich zu vermehren. Diese produzieren in der Folge säurehaltige Ausscheidungen, die den Zahn angreifen und seine Substanz zerstören. Der Zahnarzt spricht von „Fissurenkaries“.

 

fissurenversiegelung-der-backenzahne.jpg
Die Furchen in den Zähnen sind schwer zu reinigen I Quelle: intern

Was kann man gegen Fissurenkaries tun?

Zunächst einmal: putzen, putzen, putzen. Eine sorgsame Zahnhygiene ist der beste Schutz vor Karies. Zur unterstützenden Vorbeugung können Fissuren und Grübchen aber auch versiegelt werden. Ein Zahnarzt verschließt hierzu mit einem dünnflüssigen Kunststoff die Furchen der Backenzähne. Die Zähne erhalten eine Schutzbarriere, werden glatter und haben weniger tiefe Einkerbungen. Sie lassen sich leichter reinigen und Bakterien können sich dort schlechter vermehren.

Warum ist eine Fissurenversiegelung für Kinder und Jugendliche sinnvoll?

Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist eine Zahnversiegelung angeraten. Deren Zähne sind besonders anfällig für Karies. Haben junge Menschen bis zum 14. Lebensjahr einen Kariesbefall, ist dieser in 60 bis 90 Prozent der Fälle vor allem in den Fissuren und Grübchen ihrer Backenzähne zu finden. Das heißt: Wenn Karies droht, dann höchstwahrscheinlich auf der Kauoberfläche. Daher sollten Eltern eine frühe Versiegelung anstreben und am besten im fünften oder sechsten Lebensjahr ihres Kindes einen Zahnarzt konsultieren. Der beste Zeitpunkt für die Behandlung ist kurz nach dem Durchbruch der bleibenden Backenzähne. Wenn man zulange wartet, können die Fissuren bereits von Karies befallen sein. Mit steigendem Lebensalter geht das Kariesrisiko tendenziell zurück. Wer als Erwachsener gesunde Zähne hat, braucht in der Regel keine Fissurenversiegelung mehr.

Wer braucht keine Fissurenversiegelung?

Die Frage, ob und wann versiegelt werden sollte, orientiert sich am individuellen Befund. Dabei spielen Faktoren wie Kariesneigung, die Struktur der Zahnoberflächen, die Qualität der Mundhygiene oder der Speichelfluss eine Rolle. Diese Punkte kann ein Zahnarzt am besten beurteilen. Ein rechtzeitiger Besuch beim Zahnarzt kann Schäden am Gebiss verhindern helfen. 

Wie lange hält die Form des Kariesschutzes?

Die Lebensdauer lässt sich nicht pauschal bestimmen. Durch die Kaukräfte können Teile der Versiegelung verloren gehen und die darunter liegende Fissur liegt wieder frei. Deshalb ist es wichtig, den Zustand regelmäßig vom Zahnarzt überprüfen zu lassen. Bleibt die undichte Fissurenversiegelung unentdeckt, kann sich unterhalb der Versiegelung leicht eine Karies bilden.  Freigelegte Fissuren können jederzeit vom Zahnarzt wieder versiegelt werden. Im Durchschnitt halten Fissuren bei richtiger Pflege sieben bis zehn Jahre.

Was kostet eine Fissurenversiegelung?

Bei einer Zahnversiegelung zwischen dem sechsten und 17. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen der Individualprophylaxe die Kosten der Behandlung an den Molaren. Behandlungskosten, die zeitlich davor (an den Milchzähnen) oder danach liegen, müssen in Eigenleistung beglichen werden. Dasselbe gilt auch für eine Behandlung der kleinen Backenzähne („Prämolaren“) und Grübchen von Front- und Eckzähnen, die nicht über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden können.

 

pexels-nick-oz-1055859.jpg
Eine Glattflächenversiegelung kann zusätzlich vor Karies schützen I Quelle: pexels

Was ist eine Glattflächenversiegelung?

Diese Methode, auch „Bracketumfeldversiegelung“ genannt, kommt in der Kieferorthopädie bei Trägern von festsitzenden Zahnspangen zur Anwendung. 

Bei einer festen Zahnspange werden Brackets auf die Zahnoberfläche geklebt. Um die Brackets herum sind oft kleine Nischen die sich schwer reinigen lassen. Durch die Brackets verläuft der Draht (kieferorthopädische Bogen), der die Brackets miteinander verbindet. Erst durch den Draht bewegen sich die Zähne in die gewünschte Position. Die Bögen erschweren die Zahnhygiene zusätzlich. Zwischen Bogen und Zahnfleischrand sowie in den Zahnzwischenräumen können sich Beläge ansammeln. Zudem können sich um die Brackets herum Zähne demineralisieren, was zu Verfärbungen („White spots“) führt, die sichtbar bleiben. 

Deshalb ist es ratsam, die Glattflächen der Zähne mit einem transparenten und fluoridhaltigen Versiegelungslack während der Behandlung mit einer festen Zahnspange zu schützen. Im Gegensatz zur Fissurenversiegelung werden nicht nur die Backenzähne versiegelt, sondern alle Zähne, auf die Brackets geklebt werden. Bei der Entfernung der festen Zahnspange wird der Lack ebenfalls entfernt.

glattflachenversiegelung-kieferorthopadie.png
Glattflächenversiegelung zum Schutz vor Karies I Quelle: intern

Vorsicht ist hierbei bei farbstoffreichen bzw. färbenden Lebensmitteln geboten, etwa Tees, Gewürzen oder Säften. Sie können bei übermäßigem Konsum und unzureichender Mundhygiene den Lack verfärben

Wie sieht die Kostenübernahme bei einer Glattflächenversiegelung aus?

Die kieferorthopädische Bracketumfeldversiegelung bzw. Glattflächenversiegelung wird nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen und ist somit Bestandteil der außervertraglichen Leistungen (AVL). Inwieweit diese Leistung von einer Zusatzversicherung oder von der privaten Krankenversicherung übernommen wird, hängt vom individuellen Versicherungstarif ab. 

 

FAZIT

Eine Fissurenversiegelung der Backenzähne bietet einen langfristigen Schutz der Zahnoberflächen vor Karies. Sie sollte regelmäßig vom Zahnarzt kontrolliert werden. Eine Bracketumfeldversiegelung schützt die Außenfläche der Zähne während der kieferorthopädischen Behandlung mit einer festen Zahnspange. Für beide Methoden gilt: Die Versiegelung ersetzt nicht die gründliche und regelmäßige Zahnpflege

 

Quellen: 

  • Fissurenversiegelung. Patienteninformation der Bundeszahnärztekammer und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Februar 2011. Link: https://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/pati/bzaekdgzmk/2_02_fissurenversiegelung.pdf
  • S3-Leitlinie „Fissuren- und Grübchenversiegelung“, AWMF-Registernummer: 083-002, Stand: Januar 2017. Gültig bis Januar 2022. 2017 Jan. Link: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/083-002m_S3_Fissuren-Gruebchenversiegelung_2017-04.pdf
  • Cvikl B, Moritz A, Bekes K. Pit and Fissure Sealants-A Comprehensive Review. Dent J (Basel). 2018 Jun 12;6(2):18. 
  • Rugg-Gunn A. Dental caries: strategies to control this preventable disease. Acta Med Acad. 2013 Nov;42(2):117-30. 
  • Papageorgiou SN, Dimitraki D, Kotsanos N, Bekes K, van Waes H. Performance of pit and fissure sealants according to tooth characteristics: A systematic review and meta-analysis. J Dent. 2017 Nov;66:8-17. 
  • Carvalho JC, Dige I, Machiulskiene V, Qvist V, Bakhshandeh A, Fatturi-Parolo C, Maltz M. Occlusal Caries: Biological Approach for Its Diagnosis and Management. Caries Res. 2016;50(6):527-542. 
  • Innes NP, Clarkson JE, Douglas GVA, Ryan V, Wilson N, Homer T, Marshman Z, McColl E, Vale L, Robertson M, Abouhajar A, Holmes RD, Freeman R, Chadwick B, Deery C, Wong F, Maguire A. Child Caries Management: A Randomized Controlled Trial in Dental Practice. J Dent Res. 2020 Jan;99(1):36-43. 
  • Krois J, Göstemeyer G, Reda S, Schwendicke F. Sealing or infiltrating proximal carious lesions. J Dent. 2018 Jul;74:15-22. doi: 10.1016/j.jdent.2018.04.026. Epub 2018 Apr 30. Erratum in: J Dent. 2018 Sep;76:137-138. PMID: 29723548.
  • Das Gesundheitsportal medondo.health
  • Schwendicke F, Jäger AM, Paris S, Hsu LY, Tu YK. Treating pit-and-fissure caries: a systematic review and network meta-analysis. J Dent Res. 2015 Apr;94(4):522-33.